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  Wikipedia: Lindau (Bodensee)

Wikipedia: Lindau (Bodensee)
Lindau (Bodensee)
Aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie.

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Stadt Lindau im östlichen Bodensee in Bayern mit 24.000 Einwohnern. 3,318 km², die Kernstadt (die Altstadt, der Bahnhof und der Bodenseehafen) liegt auf einer Insel (0,68 km²) im Bodensee. Die Insel ist mit einem Damm und einer Brücke mit dem bayerischen Festland verbunden.

  • PLZ: 88131
  • Autokennzeichen: LI
  • Vorwahl: 08382
  • Internationale Vorwahl: +49 8382
  • Oberbürgermeisterin: Petra Seidel
  • Bekannte Persönlichkeit: Peter Penacka
  • Bekannte Zeitgenossen: Andreas v. Bechtholdsheim (Mit-Gründer der Firma Sun), Prof. Mang (Schönheitschirurg)

siehe auch: andere Orte die Lindau heißen.

Zeitgenössisches

Lindau ist geprägt durch seine herausragende Lage im Angesicht des über 1000 m NN hohen Pfänders in Richtung Bregenz (die Stadt war an der Seilbahn auf den Pfänder jahrzehntelang beteiligt), den Bodensee sowie das Panorama der Alpen. Der Tourismus ist eine der zentralen Einnahmequellen. Weiterhin werden durch die jährlich stattfindenden Nobelpreisträger-Tagungen mit wechselnden Schwerpunkten, sowie durch Psychotherapie-Wochen und zahlreiche andere Veranstaltungen in der Inselhalle für weitere Übernachtungen gesorgt. Auch die ehemals städtische und nun staatliche Spielbank ist ein weiterer Anziehungspunkt für Lindau. Ehemals ein Zentrum der Textil-Industrie (z.B. Kunert), finden sich heute neben zahlreichem Klein-Gewerbe auch diverse Gross-Betriebe, z.B. Metzeler (Gummi-Profile für Automobile), Axima (ehemals Sulzer-Escher-Wyss, Kühltürme), Dornier (Webstühle), Liebherr (Elektronik), Lindavia/Hero (Fruchtsaft) und derzeit noch Bahlsen (Salzstangen). Weiterhin ist durchaus ein nennenswerter Anteil Landwirtschaft mit Schwerpunkten auf Milch-Produktion, Beeren- und Obst-Anbau teils mit angeschlossener Destillation vorzufinden. Fischerei spielt nur noch eine kleine Rolle. Die natürliche Ufer-Form im Lindauer Bereich des Bodensees ist ein Schilfgürtel, gefolgt von Feuchtwiesen und später ansteigendem festen Gelände. Neben mehreren städtischen Bädern (zwei davon in Pfahlbau-Technik realisiert) findet sich vor allem Villen-Bebauung aus verschiedensten Epochen am See, die teils mit einfachen Ufermauern aus grossen Steinquadern und zum Teil sogar aus kleinen Hafen-Anlagen die Natur ersetzt haben.

In früheren Zeiten war die Insel Lindau sogar eine Inselgruppe, so war die westliche Insel durch ein schiffbare Wasser-Ader getrennt, der heutigen Strasse "Am Inselgraben", wo immer noch die Stadtmauer auf der Haupt-Insel verläuft. Im Süden am Haven gab es eine vorgelagerte Insel. Beide Inseln sind durch historische Auffüllungen an die Haupt-Insel angeschlossen worden. Weiterhin wurde noch einiges an Fläche, insbesondere für Park-Plätze und Park-Anlagen, hinzu gewonnen indem die Schlamm-Mengen vom permanent durch Verlandung bedrohten Bereich "Kleiner See" (zwischen Insel und Festland, und von Eisenbahn-Damm und See-Brücke begrenzt) abgepumpt und angehäuft wurden. Im Bereich der Mündung der "Ach" findet sich noch ein Flachwasser-Bereich mit Sandbänken und einer eigentändigen Insel, der sogenanngen "Insel Hoy". Vor Jahrhunderten gab es noch die sogenannte Galgeninseln, anscheinend waren dies Sandbänke die aber offenbar bis heute vermutlich durch natürliche Prozessen abgetragen worden sind. Das Lindauer Stadtgebiet wird im Süd-Osten durch die Leiblach nach Österreich hin abgegrenzt. Dort befindet sich auch eine überregionale Öl-Pipeline, die das Stadt-Gebiet tangiert, ebenso führen dort Hochspannungs Strom-Leitungen aus den Alpen heraus. Die Wasserversorgung geschieht zum grössten Teil aus dem Bodensee über das Seepumpwerk in Nonnenhorn und den Hochspeicher auf dem Hoyerberg. Die Gasversorgung ist städtisch, wird aber zur Zeit aus russischem Erdgas gespeist. Die Kabel-TV-Versorgung geschieht über eine Glasfaser-Leitungen zu einer Empfangsstation die in Richtung des benachbarten Lindenberg liegt.

Lindau gilt heute als Drei-Länder-Eck, wobei hiermit Deutschland, Österreich und die Schweiz gemeint sind. Deutschland könnte man noch nach Bundesländern unterteilen, also Bayern und Baden-Württemberg. Lichtenstein liegt in Sichtweite, mit Wohlwollen sind evtl. sogar noch Südtiroler und andere italienische Gipfel in der Ferne sichtbar. Wenn man auch noch die Insel Mainau als schwedisch besiedelt ansieht, dann ist "drei" wohl eher die Untergrenze.

Geschichte

Die Region um Lindau war im Altertum Schnittpunkt von nicht weniger als vier keltischen Volksstämmen:

Leider gibt es bis jetzt über diese Epoche keine gesicherten Erkenntnisse.

Um 200 n. Chr. wird – vermutlich von Bregenz (damals vermutlich "Brigantium") aus – auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Aeschach eine große Villa bzw. ein Gutshof errichtet, dessen Relikte beim Bau des "Römerpark" gefunden wurden. Dies ist das bedeutendste Zeugnis der römischen Siedlungstätigkeit in dieser Stadt, welche allerdings nur das Festland, nicht aber die Insel erfasst hat. Lindau wird möglicherweise damals schon durch die Römer als "Lindavia" betitelt.

802 wird der Name des heutigen Stadtteils Aeschach erstmals als Gewässername erwähnt.

882 verfasst ein St. Galler Mönch diejenige Urkunde, die den ältesten sicheren schriftlichen Beleg des Namens Lindau enthält. Der Name bedeutet "Insel, auf der Lindenbäume wachsen". Daran erinnern bis heute die seit dem 13. Jahrhundert nachweisbaren Stadtwappen und –siegel, die entweder einen vollständigen Lindenbaum zeigen oder ein Lindenblatt symbolisieren wie das 1999 eingeführte Logo. Auch die lokalen Vereine der schwäbisch alemannischen Fasnacht verwenden den Lindenbaum als Wappen-Motiv, wenn auch in einer wesentlich stilisierteren und bunteren Version. Die heutigen Narren-Vereine kennen nicht weniger als vier verschiedene Typen von Narren.

Bei seiner Ersterwähnung bezog sich der Name Lindau auf ein adliges Frauenkloster, das 882 bereits seit einigen Jahrzehnten auf der Insel bestand. Der Legende nach ist es von Graf Adalbert von Rätien zum Dank für seine Rettung aus Seenot gegründet worden.

Aus dem Kloster entwickelt sich im Laufe der nächsten Jahrhunderte ein freiweltliches Damenstift, dessen Mitglieder keinerlei Gelübde abzulegen brauchen und daher den Konvent auch wieder verlassen können. An das Stift erinnern heute noch seine letzten Kirchen- und Konventsgebäude (die katholische Pfarrkirche Maria Himmelfahrt bzw. das benachbarte Amtsgericht und Landratsamt).

Außer den Nonnen leben im 9. Jahrhundert noch Fischer auf der Insel, deren Siedlung abseits vom Kloster im Gebiet der Peterskirche, dem ältesten (auf das Jahr 800 geschätzt) Gotteshaus Lindaus, vermutet wird.

Um 1079 verlegt das Kloster Lindau aus Sicherheitsgründen seinen Markt, den es bisher auf dem Festland in Aeschach abgehalten hat, auf die Insel. Damit ist die Grundlage für die Stadtwerdung gegeben: Zwischen Stift und Fischerdorf entsteht eine aufblühende Kaufmannssiedlung, die von der verkehrsgünstigen Lage an einer bedeutenden transalpinen Verbindung ebenso profitiert wie vom Bodensee als Wasserstraße. Es entsteht im folgenden eine recht typische mittelalterliche Stadt-Ordnung mit zahlreichen Ständen und Handwerkszünften.

Ihr regelmäßiger Grundriss ist bis heute zu erkennen, ebenso Spuren ihrer Ummauerung (Mangturm, Straßenbezeichnung "Inselgraben", Diebsturm, Straße "Auf der Mauer", Heidenmauer - letztere ist ein höchst massives rechteckiges Bollwerk das möglicherweise sogar ein Relikt aus der Römerzeit darstellt, wobei diese Auffassung sehr umstritten ist), die die Ausdehnung der mittelalterlichen Stadt erkennen lassen.

Wohl seit dem 14. Jahrhundert verbindet eine Brücke die Insel mit dem Festland. Diese Brücke war bis ins 19. Jahrhundert in Holz ausgeführt und konnte bei Bedarf auch demontiert werden. Bis zum Bau der ersten Stahlbeton-Brücke zierte das sogenannte Land-Tor den Eingang zur Insel. Diese Brücke wurde zum Ende des 20. Jahrhunderts nochmals komplett ersetzt.

um 1180 wird die (seit 1528 evangelische Pfarrkirche St. Stephan errichtet, deren heutige Gestalt allerdings überwiegend von Erweiterungen und Umbauten zu Beginn des 16. Jahrhunderts geprägt wird.

1213/1225 werden zwei Lindauer Textilkaufleute in Genua erwähnt. Damit werden erstmals die Handelsbeziehungen der Stadt nach Italien greifbar, die bis ins 19. Jahrhundert eine wichtige Säule der Lindauer Wirtschaft bilden. Wohl seit dem späten Mittelalter unterhält die Stadt Lindau den "Mailänder Boten", in Mailand "Lindauer Bote" genannt. Bis 1826 transportiert er regelmäßig Nachrichten, Waren und Personen vom Bodensee durch das obere Rheintal und über die Bündner Pässe nach Oberitalien. Die Route trägt den Namen "Via Mala"- Neben dem Fernhandel mit dem Mittelmeerraum (Textilien, Gewürze, Südfrüchte) spielt auch der Warenaustausch zwischen den Bodenseeanrainern eine wichtige Rolle (Salz, Holz, Getreide, Fische).

1224 lassen sich Franziskaner ("Barfüßer") in Lindau nieder, deren Klosterkirche heute das Stadttheater beherbergt (Fischergasse 37).

1237 hören wir erstmals vom Lindauer Heilig-Geist-Hospital. Als evangelische Hospitalstiftung besteht die Einrichtung bis heute an ihrem mittelalterlichen Standort zwischen Stadtmauer und Schmiedgasse fort.

1274/75 verleiht König Rudolf I. wie vielen anderen Städten auch Lindau wichtige Freiheiten und Rechte. Die Kaufmannssiedlung löst sich mehr und mehr aus der Herrschaft des Frauenklosters und entwickelt sich zu einer Freien Reichsstadt mit Selbstverwaltung, die nur den Kaiser bzw. König als Oberhaupt anerkennt.

1275/78 werden die Namen der heutigen Stadtteile Reutin und Hoyren erstmals urkundlich erwähnt. Der Name Reutin, der "gerodetes Land" bedeutet, verweist darauf, dass ein Großteil des Lindauer Umlandes während des Hochmittelalters urbar gemacht wurde. Hoyren kommt vom lateinischen "Horea", "bei den Scheunen" und leitet sich offenbar von dort erbauten landwirtschaftlichen Speichern und evtl. späteren Höfen ab. Prägend für die Land-Gemeinden ist die eiszeitliche Moränenlandschaft, die mit sogenannten Findlingen (tonnenschweren Steinen, z.B. im Hochbuch) und Drumlins (südseitig steile, norseitig flache Hügel bis ca. 100 m Höhe, z.B. der sogenannte Hoyerberg, heute durch einen Sendemast und das "Gruber-Schlösschen" gekrönt) sowie diversen kleineren Tobeln geprägt ist.

1358 wird das bis heute erhaltene, allerdings mehrfach veränderte Haus "Zum Sünfzen" (Maximilianstr. 1) errichtet. Bauherr ist die gleichnamige Gesellschaft, in der sich die führenden Lindauer Familien, das Patriziat, zusammengeschlossen haben. Sie treiben vielfach Fernhandel und bestimmen, zum Teil in Auseinandersetzung mit den Zünften der Handwerker, die Geschicke der Reichsstadt über Jahrhunderte hinweg.

1422-1436 erbaut die Stadt an der Stelle eines Rebgartens das heutige Alte Rathaus, das sich insbesondere durch seine querliegende grosse Freitreppe auf der Nordseite, seine freistehenden Giebel und die beidseitige üppige Bemalung dem heutigen Besucher als Foto-Motiv anbietet.

1466 erhält das Damenstift bzw. seine Äbtissin die Würde einer weltlichen Reichsfürstin. Innerhalb des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" sind Stift und Stadt trotz ihrer unmittelbaren Nähe voneinander unabhängige Territorien, die häufig im Streit miteinander liegen.

1496/97 tagt im Alten Rathaus ein Reichstag, auf dem verschiedene deutsche Fürstentümer und freie Städte vertreten sind. Führender Kopf ist der Reichserzkanzler, der Mainzer Erzbischof Berthold von Henneberg. Sein Konterfei ist an der südlichen Fassade des Alten Rathauses zu sehen, wo auch das farbige Freskenband Bezug auf den Reichstag nimmt. Es zeigt den Einzug Herzog Philipps von Burgund in Lindau. Philipp vertrat seinen Vater, Kaiser Maximilian I., der selbst nicht am Reichstag teilnahm.

1528 wird die Stadt Lindau evangelisch. Das Kloster der Franziskaner, aus deren Reihen der erste reformatorische Prediger stammt, wird geschlossen. Ein Teil seiner Bücher gelangt in die 1538 gegründete Stadtbibliothek. Durch den Glaubenswechsel wird Lindau auch in konfessioneller Hinsicht zu einer Insel, denn die gesamte Umgebung bleibt mit Ausnahme der wenigen, zur Stadt Lindau gehörenden Dörfer auf dem Festland katholisch, ebenso das Damenstift auf der Insel. Insgesamt funktioniert hier das Zusammenleben der Konfessionen auf kleinem Raum. Heutzutage liegt das Verhältnis katholischer zu evangelischer Bevölkerung bei etwa 3:2.

1529 gehört die Stadt Lindau zu neugläubigen Teilnehmern des Reichstags von Speyer, die gegen dessen reformationsfeindlichen Beschlüsse Protest einlegen. Davon leitet sich die Bezeichnung "Protestanten" für die Evangelischen her.

1530 unterzeichnet Lindau auf dem Reichstag von Augsburg nicht wie die meisten evangelischen Fürsten und Städte die "Confessio Augustana", die Philipp Melanchthon für die Anhänger Martin Luthers verfasst hat, sondern legt zusammen mit Straßburg, Konstanz und Memmingen ein eigenes Glaubensbekenntnis, die "Confessio Tetrapolitana" (= "Vierstädtebekenntnis"), vor. Hinter ihr steht ein Verständnis vom Abendmahl, das eher demjenigen des Schweizer Reformators Huldrych Zwingli entspricht als demjenigen Luthers. Erst in der Folgezeit schließt sich Lindau dem Luthertum an.

1628 legt der Kaiser, der katholisch und auch Herr von Österreich ist, Truppen in die Stadt, nachdem dort innere Unruhen ausgebrochen waren. Es kommt zu Versuchen, Lindau zu rekatholisieren und stärker an Österreich zu binden.

1646/47 kommt es zur einzigen förmlichen Belagerung Lindaus während des 30jährigen Krieges. Schwedische Truppen versuchen die Stadt zu erobern, scheitern jedoch am Widerstand der Bürger und der kaiserlichen Besatzung unter dem Grafen Waldburg-Wolgegg, dessen Portrait an der Südfassade des Alten Rathauses zu sehen ist. Lindau bleibt damit das Schicksal vieler Nachbarstädte und –orte erspart, die oft mehrfach von verschiedenen Kriegsparteien eingenommen und geplündert worden sind.

1648 beendet der Westfälische Frieden den 30jährigen Krieg. Von neuem wird der Stadt Lindau ihre politische und konfessionelle Eigenständigkeit garantiert, die seit 1628 gefährdet gewesen war. Die kaiserliche Garnison muss abziehen. Maßgeblichen Anteil an diesem Erfolg hat der Lindauer Diplomat Valentin Heider, dessen Portraitmedaillon an der Südfassade des Alten Rathauses angebracht ist.

1655 feiern die Lindauer zur Erinnerung an den Augsburger Religionsfrieden von 1555, einem Vorläufer des Westfälischen Friedens, ein großes Freudenfest. Es ist eine der Wurzeln des Kinderfestes, das bis heute begangen wird und innerhalb des Lindauer Festkalenders eine zentrale Stellung einnimmt. Heider tritt im weiteren als Stifter des Festes auf, insbesondere um der durch die Kriegszustände verrohten Jugend wieder an normales Leben heran zu führen.

1728 verwüstet ein verheerender Stadtbrand den Stiftsbezirk und angrenzende Stadtviertel. Nur die evangelische Stephanskirche bleibt verschont. Beim Wiederaufbau erhalten Stift, Stiftskirche und andere am Markt liegende Gebäude (Haus zum Cavazzen = heutiges Stadtmuseum, Haus zum Baumgarten = Marktplatz 4) das barocke Gepräge, das den Platz bis heute kennzeichnet.

1802 werden infolge der Französischen Revolution von 1789 wenige Jahre vor der Auflösung des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" alle Klöster und Reichsstädte aufgehoben. Die Stadt Lindau und die Besitzungen des Damenstiftes fallen an den Fürsten Karl August von Bretzenheim.

1804 gibt Bretzigheim seine Neuerwerbungen an Österreich weiter. Daraufhin wird umgehend eine Kaserne am östlichen Ende der Insel errichtet.

1805/06 muss Österreich nach einer Niederlage gegen Napoleon Lindau an den französischen Bundesgenossen Bayern abtreten. Seitdem besitzt Bayern einen Zugang zum "Schwäbischen Meer".

1808/18 verliert die Inselstadt Lindau ihr Landgebiet, das auf die drei neuen selbständigen Gemeinden Aeschach, Hoyren und Reutin verteilt wird.

1812 wird für die in bayerischer Zeit ständig wachsende Zahl von Katholiken eine Pfarrei errichtet, der die ehemalige Stiftskirche als Gotteshaus dient.

1838 wird in Lindau das erste eiserne Dampfschiff auf dem Bodensee, die "Ludwig", in Dienst gestellt. Damit beginnt in Lindau und Umgebung das Zeitalter der Industrialisierung, die hier allerdings nich so intensiv wie etwa im benachbarten Friedrichshafen verlaufen ist.

1842/47 erbaut der in Italien zu Vermögen gekommene Lindauer Großkaufmann F. Gruber am Schachener Seeufer die Lindenhofvilla. Dank zahlreicher Nachahmer, darunter die bayerische Königsfamilie, entwickelt sich bis zum Ersten Weltkrieg an der "Bayerischen Riviera" ein Villengürtel, der zum einem großen Teil noch heute zu bewundern ist.

1853/54 erreicht die Eisenbahn über den damals errichteten Damm Lindau. Die Stadt ist Endpunkt der in Hof beginnenden bayerischen Nordost-Südwest-Diagonal-strecke. Das neue Verkehrsmittel fördert den Getreidehandel als zeitweise wi-chtigsten städtischen Wirtschaftszweig und den Tourismus, die ersten großen Hotelbauten entstehen in der Nähe des Bahnhofs, der das Gesicht der sog. Hinteren oder Westlichen Insel tiefgreifend verändert: An die Stelle von Gärten treten Gleisanlagen und Bahngebäude.

1856 wird der neue Seehafen als Schnittstelle der damals modernsten Verkehrsmittel Dampfschiffahrt und Eisenbahn fertiggestellt. Als südwestliche Eingangspforte Bayerns erhält er einen besonders repräsentativen Charakter. Davon zeugen heute noch der am Ende der westlichen Hafenmole stehende Leuchtturm und der auf am Ende der östlichen Hafenmole stehende bayerische Wappentier, der Löwe, die beide längst zu Wahrzeichen der Stadt geworden sind. Sonstige prägnante Punkte der mittelalterlichen Stadt- und Befestigungsanlagen sind der sogenannte Mang-Turm am Hafen, der Diebsturm am ehemaligen Inselgraben und der Pulverturm am westlichsten Ende der Insel.

1900 nimmt das erste Lindauer Elektrizitätswerk seinen Betrieb auf.

1904 zieht das Militär in die neu errichtete, nach dem damaligen bayerischen Prinzregenten benannte Luitpoldkaserne auf der Hinteren bzw. Westlichen Insel ein.

1921 veröffentlicht der Schriftsteller Wolfram Geißler seinen wohl bekanntesten Roman "Der liebe Augustin". Dieses "Lindauer Nationalepos" lässt die letzten Jahrzehnte der Reichs- und die ersten Jahre der bayerischen Stadt Lindau lebendig werden. Vorbild für die weibliche Hauptfigur ist die vorletzte Äbtissin des Damenstiftes, Friederike von Bretzenheim, deren Bruder kurzfristig Fürst von Lindau war.

1922 werden die 1808/18 abgetrennten Festlandsgemeinden wieder mit Lindau vereinigt.

1945 besetzen am 30. April französische Truppen kampflos die Stadt, die den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstanden hat. Zusammen mit dem Landkreis Lindau dient sie in den folgenden Jahren als Landbrücke zwischen den französischen Besatzungszonen in Südwestdeutschland und Westösterreich. Stadt und Landkreis Lindau werden damit vom übrigen Bayern, das amerikanisch besetzt ist, abgetrennt und erhalten einen staatsrechtlichen Sonderstatus. Ein Kreispräsidium wird oberstes Verwaltungsorgan. Es besitzt Kompetenzen, die anderswo von Landesbehörden wahrgenommen werden.

1951 findet die erste Lindauer Nobelpreisträgertagung statt. Außerdem beginnt Felix Wankel, der seit 1936 in Lindau lebt, mit der Entwicklung des nach ihm benannten Rotationskolben- (Drehkolben-) Motors (Wankelmotor). Seine 1962 erbaute "Technische Entwicklungsstelle" (TES) im Stadtteil Zech (Fraunhoferstr. 10) steht seit 1999 unter Denkmalschutz. 1963 erleben die Lindau die bislang letzte Seegfrörne.

1964 begründen Lindau und die französische Stadt Chelles bei Paris eine Partnerschaft, die bis heute intensiv gepflegt wird.

1975 geht die Luitpoldkaserne nach Abzug der Garnison in städtischen Besitz über.

1976 vergrößert sich Lindau durch die Eingemeindung von Reitnau, das erstmals 805 urkundlich erwähnt worden ist.

1987 stürzt in der katholischen Stiftskirche die Stuckdecke in das Schiff herunter. Sie wird in den folgenden Jahren in mühevoller Kleinarbeit wiederhergestellt.

1999 sucht an Pfingsten ein Jahrhunderthochwasser die Inselstadt heim, das Erinnerungen an ähnliche Katastrophen in der Vergangenheit (z. Bsp. 1817) wachruft.


Lindau ist auch der Name des zugehörigen Landkreises.

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